November 26

Keiner will Socken zu Weihnachten

Sie ist wieder da, die Adventszeit. Für manche endlich. Für andere schon wieder. Was bedeutet das eigentlich „Advent?“

Der Ursprung des Wortes kommt aus dem lateinischen, von adventus = Ankunft. Es ist die Vorbereitung der Christen auf die Geburt Christi. Bis zum Konzil (Rat, Zusammenkunft) im Jahre 524 dauerte die Adventszeit noch fünf bis sechs Wochen. Die dann erlassene vierwöchige Adventszeit ergab sich daraus, dass man glaubte die Welt sei 4000 Jahre vor der Geburt Christi erschaffen worden. So sollte jede Adventswoche ein Jahrhundert symbolisieren.

Eigentlich sollte diese Zeit einstimmen auf Weihnachten. Friedvoll soll sie sein und voller Vorfreude. Leider ist das Friedvolle,  irgendwann verloren gegangen.

Aber warum und wodurch?

Ein Grund dafür sind sicher auch  die schrecklichen Nachrichten die uns alle, vor allem in den letzten Jahren, täglich durch die Medien frei Haus geliefert werden. Viele Menschen leidet unter Hungersnot, Tausende sterben in fürchterlichen Kriegen, Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Magie verloren gegangen ist. Wir haben sie gegen den immer stärker werdenden Konsumwahn eingetauscht. Es zählt in den Familien längst nicht mehr das Zusammen kommen, nicht mehr die kleinen Geschenke.  Nein. Die Gemeinsamkeit ist auf der Strecke geblieben und bei vielen sind Besuche bei Eltern oder Großeltern nur noch ein muss. Geschenke werden nur noch an nach deren Preis beurteilt. Freut man sich bei einem Vorschulkind noch über ein selbst gemaltes Bild, erwarten viele von älteren schon das sie ihr Taschengeld sparen und davon Geschenke kaufen. Die Geschenke werden immer größer, ihre Anzahl immer höher. Das suchen nach DEM einen Geschenk, ist den meisten zu aufwändig geworden. Hauptsache viele dann wird man die fehlende Liebe nicht bemerken.

Das soll hier kein Beitrag über den Sinn oder Unsinn von Geschenken werden. Im Gegenteil. Schenken und beschenkt werden ist etwas wunderschönes. Ich liebe es Geschenke zu besorgen, liebevoll zu verpacken und zu sehen wie sich der Beschenkte darüber freut. Genauso gerne bekomme ich auch selbst Geschenke und merke dass in mir ein kindliches Gefühl aufkommt während ich es öffne.

Schaue ich mir aber die Werbung an, die uns Vorschläge macht was für Geschenke die richtigen sind, verfliegt dieses wohlige Gefühl in mir sofort wieder. Da wird uns gesagt:

„Keiner will Socken zu Weihnachten“

Ja warum denn nicht? Ein paar Kuschelsocken liebevoll selbst verpackt zeigt mir mehr über den der schenkt als ein sündhaft teures Parfüm das nebenbei ohne Überlegung gekauft wird. Ein Buch oder eine CD  ist mehr Wert als ein Gutschein aus irgendeinem Geschäft das gerade auf dem Weg lag.  Natürlich ist ein liebevoll ausgesuchtes, zum Beschenkten passendes Parfüm ein schönes Geschenk, sind Gutscheine völlig legitim und toll, falls das Buch oder die CD, die man jemanden schenken möchte weil man weiß es gefällt demjenigen, ausverkauft sein sollten. Zeigt es doch, das jemand zugehört hat als man mal darüber sprach.  Wer möchte nicht spüren das sich das Gegenüber Gedanken gemacht hat. Das diese Person zum Zeitpunkt, als sie das Geschenk aussuchte, mit seinen Gedanken bei einem war und nicht bei etwas anderem.

Die Werbung macht uns da einen, eigentlich, sehr schönen Vorschlag für ein Geschenk.

„Schenken sie Zeit“

Das hört sich auch erst mal sehr schön an. Aber schaut man genauer hin, kostet diese Art der geschenkten  Zeit,  die in der Werbung angepriesen wird, sehr viel Geld.  Aber was bitte hat Zeit verschenken eigentlich mit viel Geld zu tun? Nun, sieht man die Werbung an, wird einem das schnell klar. Da schenkt man ein Wochenende auf einer einsamen Hütte. Die ist, natürlich, mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet und… kostet ein kleines Vermögen. Also Zeit kann man nur verschenken wenn man viel Geld hat?

Nein. Zeit schenken sollte bedeuten:

„Ich verbringe das Wochenende mit dir. Nur wir zwei, gemütlich zuhause, mit einem schönen Film und einem Glas Wein oder Bier und, ja meine Herren, auch ein bisschen kuscheln darf dabei sein.“ Oder. „Wir verbringen die Zeit zusammen als Familie. Wir unternehmen was mit den Kindern. Backen Plätzchen, basteln ein Knusperhäuschen. Gehen Schlitten fahren oder machen einen Wandertag mit anschließendem Spieleabend und Popcorn .“

Es sollte nicht darum gehen wer die größte Geldsumme ausgegeben hat um jemanden zu beschenken. Es soll passen, es soll mit Bedacht und Liebe ausgesucht oder gemacht werden. Verlassen wir uns wieder mehr auf unser Gefühl und nicht darauf das die Werbung uns schon sagen wird was das richtige Geschenk ist.

Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie wir Menschen.

Ich wünsche allen eine wundervolle, friedliche  Adventszeit.

 




Veröffentlicht26. November 2016 von Mija in Kategorie "Was zum diskutieren", "Was zum nachdenken

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