November 4

OSSIS vs WESSIS

Es war der 9. November 1989, 18:57 als der damalige 1. Sekretär der SED – Bezirgsleitung, Günter Schabowski, den Satz sagte, der in die Geschichte eingehen sollte.

Zitat:

„Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. …Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt…Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich.“

Die Tagesschau im Westen gibt um 20:15 bekannt.

„DDR öffnet Grenzen“

Bereits um 20:30 treffen DDR- Bürger am Grenzübergang Bornholmer Straße ein um sich ein Bild zu machen. Es werden immer mehr und um 21:00 fordert die Menge,

„Tor auf, Tor auf“

Zur selben Zeit singen die Abgeordneten im Bundestag die Nationalhymne.

In der „Aktuellen Kamera“ des DDR Fernsehens betreibt man Schadensbekämpfung und erklärt das eine Ausreise weiterhin beantragt und bewilligt werden muss. Aber mittlerweile sind tausende am Schlagbaum an der Bornholmer Straße. Die Grenzsoldaten sind überfordert und allein gelassen.

Gegen 23:30 öffnen einige von ihnen die Schlagbäume. Auch an anderen Grenzübergängen werden die Grenzen geöffnet. Die Grenze zwischen Ost und West ist gefallen. DDR-Bürger strömen in die Bundesrepublik und werden begeistert von Westdeutschen empfangen.

Zu Beginn des neuen Tages sind alle Grenzen geöffnet. Das Volk der DDR feiert sich, und mit ihnen feiert das Volk der Bundesrepublik. Der Kurfürstendamm wird zur Partymeile.

Auch am nächsten Tag sind die Straßen von Berlin verstopft von Trabis und Menschenmengen. Der damalige regierende Bürgermeister Momper veranlasst das ein Begrüßungsgeld von 100 DM an jeden einzelnen DDR-Bürger ausgezahlt wird und bezeichnet das Deutsche Volk als das „glücklichste der Welt“.

Helmut Kohl, damaliger Kanzler der BRD sagte:

„Es lebe ein freies deutsches Vaterland, es lebe ein freies einiges Europa.“

Am 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint. Nach 45 langen Jahren.

Soweit die wunderbare Geschichte des Mauerfalls. Eine Mauer, die überwunden wurde von tausenden, mutigen, friedlich demonstrierenden DDR-Bürgern.

Doch was ist heute, 27 Jahre nach öffnen der Schlagbäume? Ist zusammengewachsen was zusammengehört?

Leider nicht so wie es eigentlich sein sollte. Heute heißt es vielmals „Ossis vs Wessis“. Nichts scheint mehr geblieben von der damaligen Euphorie. Nicht selten hört man den Satz, man solle  die Mauer wieder aufbauen und am besten noch höher. als zuvor. Man hört ihn von ehemaligen Bürgern der DDR und von denen der BRD. In den Köpfen einiger Menschen  steht diese Mauer bereits wieder. Bei manchen war sie wohl nie weg.

Viele, die damals aus dem Osten in den Westen flohen um ein besseres Leben und Freiheit für sich und ihre Familie zu schaffen. Sie schimpfen auf die Regierung, auf die Flüchtlinge die in unser Land kommen. Die nicht nur ein besseres Leben möchten.  Sehr viele von ihnen wollen erstmal überleben. Viele Rechtsextreme kommen aus den „neuen“ Bundesländern. Sie fordern ein „Deutschland den Deutschen“ Und es ist nicht so friedlich wie Anno 89. Es lässt einen Schauer über den Rücken laufen bei allen die diesen Satz kennen und wissen was er anrichten kann und vor allem was er schon einmal angerichtet hat.

Und auch viele Westdeutsche schimpfen. Über die Regierung und auf die Flüchtlinge. Und auch im Westen der Republik hört man wieder diese Ausländerfeindlichen Parolen. Aber, und das verwundert,  auch über die „OSSIS“ die doch dankbar sein müssten das es ihnen jetzt so gut geht und wir, die reichen „WESSIS“ sie damals aufgenommen haben. Die „OSSIS“ sind verärgert darüber, dass, „die im Westen“ mehr verdienen für gleiche Arbeit. Das die Renten höher sind als im Osten des Landes. Dabei gab es schon immer ein Gefälle was Löhne und Renten anbelangte. Schon immer hat der Bürger im Süden des Landes mehr Geld bekommen als der in der Mitte und vor allem als der im Norden. Also nichts Neues in diesem Staat. Gerechtigkeit geht allerdings und tatsächlich anders.

Aber wenn das alles nicht neu ist, was trennt uns tatsächlich nun, nachdem wir seid 26 Jahren vereint sind? Vereint sein sollten. Leider habe ich darauf auch keine Antwort. Und ja, manchmal ertappe ich mich auch dabei dass ich mir wieder eine Mauer wünsche. Allerdings keine die unser Land, sondern eine die, die Guten und Bösen trennt. Eine die, die Ewig Gestrigen von uns anderen trennt. Die anderen, dass sind die, die unserem Land wieder die hässliche Fratze des Nationalsozialismus und dem damit verbundenem Hass auf alles was anders ist, aufdrückt.

Dabei ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung friedliebend und bereit sich auf das Abenteuer eines „Bunten Deutschlands“ einzulassen. Das gilt für die „OSSIS“ und die „WESSIS“ gleichermaßen.

Und diese Mehrheit vereint sich gerade. Sie ist nur leiser in ihrer Forderung nach Frieden für alle. Sie reden miteinander aber sie schreien es nicht hinaus. Noch nicht. Denn nicht immer behält derjenige, der am lautesten schreit auch Recht. Manchmal erreicht man mit leisen Tönen mehr. Der Fall der Mauer und die vorangegangenen Demonstrationen haben es bewiesen. Manchmal allerdings muss man einfach lauter werden., damit mit man gehört wird. Und manchmal auch damit man übertönt. Lauter aber friedlich.

Dafür  sollte die Mauer nochmal zu Fall gebracht werden und diesmal endgültig. Die in den Köpfen und die in den Herzen. Die zwischen Ost und West. Die zwischen

„OSSIS UND WESSIS“

 




Veröffentlicht4. November 2016 von Mija in Kategorie "Was zum nachdenken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.