Dezember 17

Teure Schule

Dieser Tage waren meine Enkeltöchter bei mir und wir unterhielten uns über die Schule. Die eine ist in ihrem letzten Jahr an der Schule, die andere macht ihr Abitur. So weit so gut. Was ich aber im Laufe dieses Gespräches zu hören bekam, verschlug mir fast den Atem.

Das fängt an beim Kauf eines Blockes oder Heftes. Eigentlich eine einfache Sache meinen Sie?!?! Weit gefehlt. Allein über die Art dieser Blöcke ist sich der Lehrkörper nicht einig. Der eine will unliniert ohne Rand, der andere rautiert mit Rand und wieder ein anderer liniert ohne Rand aber gelocht. Außerdem verbieten viele Lehrkräfte mittlerweile, dass auf vorder- und Rückseite geschrieben werden darf. Aus reinen Schönheitszwecken wohlgemerkt. In der nächsten Stunde wird dann wahrscheinlich über den Klimawandel gesprochen, und dass man mit den Rohstoffen der Welt sorgsamer umgehen sollte.

Das gleiche gilt für Schulbücher. Ich kenne es noch, dass Schulbücher weitergegeben wurden. Eigentlich doch nicht verkehrt. Schließlich ändert sich in der Mathematik ja nichts daran, dass 1 + 1 = 2 ist oder hat sich da seid meiner Schulzeit was geändert? Auch das Datum der Schlacht von Waterloo war und bleibt der 18. Juni 1815. Egal in welchem Buch man nachliest. Die jüngeren Geschwister haben früher die Bücher der älteren Geschwister bekommen und, man glaubt es kaum, daraus gelernt. Heute wird teilweise in Schulbüchern geschrieben und anstatt mit ihnen, in ihnen gearbeitet.

Was noch schlimmer ist, dass Bücher gekauft werden müssen, die dann nicht einmal benutzt werden. Das ist nicht nur aus ökonomischen und ökologischen Gründen unhaltbar sondern auch eine Frechheit gegenüber den Eltern die diese Bücher bezahlen müssen. Die meist sehr teuren Bücher werden nicht selten am Ende des Schuljahres völlig ungenutzt in einen Karton auf den Speicher oder den Keller verbracht. Eigentlich kann man sie auch gleich entsorgen. Für das jüngere Geschwisterkind werden sie nicht gebraucht, da dessen Lehrkörper wieder andere Bücher favorisiert. Dass von Bundesland zu Bundesland verschiedene Bücher benutzt werden, kann man mit viel gutem Willen ja noch akzeptieren. Dass diese Praxis innerhalb einer Stadt und ein und derselben Schulform Anwendung findet, erinnert allerdings stark an einen Schildbürgerstreich.

Meine Enkelin, die das Abitur macht, braucht einen speziellen Taschenrechner. Dieser ist ein Hightech Computer und hat mit den Taschenrechnern, die einige von uns kennen, so viel gemein wie ein Smartphone mit einem Telegrafen. Dementsprechend ist auch der Preis. Bekommt man einen Taschenrechner schon für ein paar Euro, kostet dieses gute Stück satte 120 Euro. Bei mehr als einem Kind das zur Schule geht kommen so schnell einige hundert Euro zusammen.

Dem Schulbuch gebührt ist im Zeitalter des Internets generell nicht mehr so viel Aufmerksamkeit wie früher. Vielmehr sollten die Schulen heutzutage besser mit Modernen Computern ausgestattet werden. Und zwar so, dass nicht ein halbes Dutzend ausrangierter PC’s  für die ganze Schule reichen müssen das jeder Schüler über einen eigenen verfügt. Es ist längst an der Zeit, dass an den Schulen der richtige Umgang mit dem Produkt, Computer sowie mit dem Medium Internet gelehrt wird. Zumal von den Schülern oft verlangt wird, ihre Hausaufgaben per E-Mail zu erledigen und zu versenden.

Natürlich plädiere ich nicht dafür, dass die Kinder und Jugendlichen aufhören sollen handschriftlich zu arbeiten. Ganz im Gegenteil, ich finde es wichtig dass die Kultur des Schreibens wieder mehr in den Fokus geholt wird. Auch ich schreibe gerne noch Briefe oder Karten an meine Lieben. Am liebsten mit einem Füller der meinen Anforderungen entspricht. Auch ein richtiges Buch zum Feierabend ziehe ich dem Lesen eines EBooks vor. Das ist allerdings Geschmacksache. Und im Urlaub am Strand ist ein EBook sogar die bessere Variante.

Für mich ist die Umsetzung zum Modernen Unterricht an deutschen Schulen entweder halbherzig oder gar nicht umgesetzt worden. Am fehlenden Geld sollte es in einem der reichsten Länder der Welt doch wohl nicht scheitern. Investieren wir nicht letztlich auch in die Zukunft unserer Kinder damit.




Veröffentlicht17. Dezember 2016 von Mija in Kategorie "Was zum diskutieren", "Was zum nachdenken

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