November 14

Verstehen hat nicht immer mit Verstand zu tun

„Ein Individuum wird erst in örtlicher Diskrepanz zum Ursprungsland den Hiatus zwischen dem Eigenen und dem Fremden erfassen können.“

Verstehen Sie diesen Satz? Ich habe ihn im Internet gefunden als ich für diesen Beitrag nachforschte. Nach einigem Suchen fand ich die Übersetzung. Es war ein Student der diesen Satz sagte und ein Kommilitone der ihn nur teilweise verstand. Übersetz in Verständlich heißt er:

„Kulturelle Unterschiede werden uns erst auf Reisen bewusst.“

Warum müssen Sätze gesprochen oder geschrieben werden, die kaum einer versteht? Was macht Sprache dann noch für einen Sinn?

Hier einige Beispiele für gebräuchliche aber dennoch nicht immer aus dem Stand erklärbare Fremdwörter.

  • polarisieren – „Gegensätze schaffen“, „trennen“.
  • Demagoge – „Volksaufhetzer“.
  • designieren – „(für ein noch nicht besetztes Amt) bestimmen“.
  • erratisch – „vereinzelt“ oder „verirrt“, „willkürlich“.
  • Chauvinismus – Einstellung (von Männern), Frauen als minderwertig einzustufen
  • polemisch – „aggressiv“, „überspitzt“ in Bezug auf eine Argumentation, Aussage etc.
  • Despot – „Gewaltherrscher“.
  • Ressentiment – „heimlicher Groll“.
  • konsterniert – „fassungslos“, „verblüfft“ oder „bestürzt“.
  • Xenophobie – „Fremdenangst“, „Fremdenfeindlichkeit“.
  • subtil – „fein strukturiert“, „unterschwellig“, „präzise/bis ins detail geplant“.
  • pragmatisch – „sachbezogen“
  • dekadent – „ausschweifend“, „verschwenderisch“, „im kulturellen Niedergang begriffen“
  • dito – „ebenfalls“, „gleichfalls“
  • rudimentär – „unzureichend“, „unvollkommen“, „nur ansatzweise“
  • obsolet – „veraltet“, „überholt“
  • ambivalent – „zwiespältig“, „doppeldeutig“
  • extrovertiert – „nach außen gerichtet“, „aufgeschlossen“
  • redundant – „mehrfach vorhanden“, „überzählig“
  • per se – „von selbst“, „für sich“
  • kognitiv – „das Denken, Verstehen oder Wissen betreffend“
  • subsidiär – „unterstützend“, „behelfsmäßig“
  • eloquent – „sprachgewandt“
  • Konnotation – „Nebenbedeutung“, „Beiklang

Kein Tag an dem man nicht mit Fremdwörtern konfrontiert wird. Kaum ein Tag an dem nicht ein Neues dazu kommt. Blieb es früher den Behörden vorbehalten, uns mit Worten, die wir erst im Duden nachschlagen mussten zu bombardieren, scheint es heute zum Alltag zu gehören. Da sollte es einen doch nicht wundern das sich Menschen kaum noch verstehen. Ohne Google, das den Duden größtenteils abgelöst hat, versteht kaum ein Normalbürger Briefe, die ihm von Behörden geschickt werden. Ein Formular auszufüllen ohne Rechtsbeistand ist beinahe unmöglich und grenzt nahezu an Fahrlässigkeit.

Erst kürzlich hörte ich von einer Anwältin für Soziales und Arbeitsrecht, dass sie sich drei Wochen mit einem Antrag für Hartz IV auseinandersetzen musste um ihn zu verstehen. Der Antragsteller soll diesen innerhalb kürzester Zeit ausfüllen. Man wird aber „netterweise“ vor der Unterschrift darauf hingewiesen, dass falsche Angaben Sanktionen, sprich Strafe, nach sich ziehen. Ein Schelm der böses dabei denkt.

Da es in solchen Anträgen aber immer auch um ein menschliches Schicksal geht, wäre es meiner Meinung nach Zeit diese, typisch Deutsche Bürokratie, endlich zu überarbeiten.

Aber nicht nur bei Behörden auch im täglichen Gesprächen werden wir mit Worten überschüttet die wir, zumindest nicht sofort, erkennen. Warum müssen immer mehr Fremdwörter benutzt  bzw. deutsche Worte in eine andere Sprache verwandelt werden. Bei Worten wie Computer zum Beispiel ist das noch völlig ok. Aber warum wird ein Lied nicht weiterhin Lied genannt sondern als Song bezeichnet? Warum heißt es  „Servicepoint“ und nicht Auskunft? Warum heißt es „Cash“ und nicht Bargeld? Warum heißt es nicht Gedankenaustausch statt “ Brainstorming“?  „All Age“ heißt es bei Filmen und Büchern und weisen darauf hin, das sie „für alle Altersgruppen“ geeignet sind. „Anti-Aging,“ ein Begriff der in der Kosmetikindustrie geläufig geworden ist und „nicht alternd“ heißt. Was dieses „Anti-Aging“ allerdings im Zusammenhang mit Bier aussagen soll entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht, „Lieber saufen als laufen?“

Die Aufzählung könnte ich endlos fortführen doch ich weiß nicht ob es noch Computer geben wird sollte ich jemals damit fertig werden.

Es sind bei weitem nicht nur unsere älteren Mitbürger die sich mit dieser „SPRACHE“  nicht anfreunden können. Auch immer mehr jüngere haben ihre Schwierigkeiten damit. Selbst Studenten tun sich manchmal schwer , siehe oben.

So schließe ich meinen heutigen Beitrag mit einem Satz aus dem Lied Denglisch der Gruppe Wise Gays, zu Deutsch Klugscheißer oder Besserwisser

Oh Herr gib mir meine Sprache wieder

 

 




Veröffentlicht14. November 2016 von Mija in Kategorie "Was zum diskutieren", "Was zum nachdenken

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